Über Dorothea
Sicher kennen viele von Euch das Sprichwort Kleider machen Leute - damit bin ich groß geworden. Heute bin ich über 50 und der Glaube daran, dass Kleider Leute machen, ist mir oft in meinem Leben begegnet. Zum Beispiel als ich vor 30 Jahren in einer Beratungsstelle für werdende und alleinerziehende Mütter gearbeitet habe. Im Austausch mit Ärzten habe ich dann oft gehört „Alle Frauen, die in meine Praxis kommen sind immer richtig gut gekleidet. Ich verstehe das Gejammer über die Höhe der Sozialhilfe gar nicht.“ Tja, die Scham war einfach zu groß vor einem Arzt als ärmlich und bedürftig zu erscheinen. Eindruck zu hinterlassen, dass versuchen wir oftmals über Kleidung, Autos oder andere Statussymbole.
Später habe ich viel in großen internationalen Unternehmen mit Führungskräften gearbeitet. Die Führungskräfte, aber auch meine Trainerkolleg*innen und ich waren immer top gekleidet: Anzüge und Krawatte, Kostümchen und schicke Schuhe, teure Uhren und entsprechenden Schmuck, weiße Zähne und strahlendes Lächeln. Und wir glaubten wirklich, dass dies sein muss, um professionell, kompetent und erfolgreich rüber zu kommen.
Wenn ich mit erfolgreichen Menschen länger gearbeitet habe, dann wurde sichtbar, dass bei ihnen längst nicht alles glatt läuft und dass viele Führungskräfte nicht mit dem „goldenen Rollstuhl“ in die Chefetage gerollt wurden. Hinter gebügelten Blusen und geplätteten Hemden zeigten sich Menschen mit brüchigen Lebensläufen, mit gescheiterten Beziehungen und Ehen, mit schmerzhaften Trennungen, mit Trauer um den Verlust von geliebten Menschen, mit Wut über…, Angst vor…, mit Versagensängsten und Leistungsdruck.
Und was hat mich an diesen Menschen beeindruckt? Was hat mich berührt? Wo konnte ich mitschwingen? Wenn sie sich in ihrer beruflichen Rolle und mit all ihrer Kompetenz auch als Menschen zeigen konnten. Und, das ging nicht nur mir so, sondern auch deren Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen. Denn:
Geschichten machen Leute. Geschichten machen Vorbilder.
Uns bereichern Menschen, wir lernen von ihnen, wenn sie sich mit ihren Geschichten bemerkbar machen. Wir lernen daraus, wie andere Menschen Krisen in ihrem Leben bewältigt haben. Daraus, wie sie schwierige Fragestellungen gelöst haben. Wir verstehen sie besser, wenn wir ihre Beweggründe für Entscheidungen kennen.
Mit den Online Events von Life Happens möchte ich Menschen dazu ermutigen, mit ihren persönlichen Geschichten sichtbarer zu werden und sie einladen, andere Menschen kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Und zwar darüber, wer sie sind, was sie ausmacht und zu etwas Besonderem macht – fern ab von Likes, Selbstmarketing und Selbstoptimierung.
Der Gewinn für alles ist, dass wir inspiriert von den Erzählungen für uns und unser Leben, neue Ideen bekommen und Lösungen kreieren. Durch das Öffnen für andere Empathie entwickeln und unser Schubladendenken erkennen. Wir mehr Gemeinsamkeiten finden und Ähnlichkeiten entdecken – mehr, was uns Menschen verbindet, als uns trennt.